Das neue Heinz-Erhardt-Programm
von Manfred H. Krämer
Pressestimmen

Rhein-Neckar-Zeitung 12.10.2009

Weinheimer Nachrichten 15.10.2009

ODENWÄLDER ZEITUNG

Hommage an Heinz Erhardt ist weit mehr als  eine bloße Interpretation von dessen Texten

Manfred Krämer dichtet das Werk des Meisters fort

Fotos: Hans-Jürgen Rupp, Ottersheim

Unvergessen, wenn der große Heinz Erhardt vorzeitigen Applaus wegwischt und mit schelmischem Lachen noch zwei Zeilen dranhängt um dann mit generöser Geste „So jetzt dürft ihr!“ Beifallsstürme zu entfesseln. Schade, dass man das heute nicht mehr erleben kann. Wirklich nicht? Der eher als Krimiautor bekannte Manfred H. Krämer (das H. steht allerdings für Hans) überraschte die über 70 Gäste im Landrestaurant Zur Mühle in Mörlenbach-Weiher mit einer bunten Erhardt-Revue im liebevoll dekorierten Saal samt Gänseblümchen und Heinz-Teelichtern. Das Team der Mühle um Familie Mederer zauberte eine (H)einzigartige Atmosphäre und verwöhnte die Gäste mit einem Odenwälder Drei-Gang-Menü vom feinsten. Das sich Odenwälder Gerichte und die feine Küche nicht ausschließen wurde eindrucksvoll bewiesen. Dann kommt Heinz ... Aber halt! Was ist das für ein graubekittelter Hausmeister Krause, der da nach der Ankündigung des Gastgebers missmutig blickend auf die Bühne schlurft? Eine Mischung aus Ekel-Alfred und Heinz Becker samt Batschkapp macht sich da am Mikrofon zu schaffen. Gerade als das Publikum unruhig zu werden beginnt, stürzt ein untersetzter Herr im Grusel-Sakko und unförmiger Hornbrille herbei, lässt das Publikum links liegen und überschüttet den „Hausmeister“ mit einem Wortschwall „ ... ich bin von da gekommen!“ Erhardt-Fans werden die Szene aus der Fernsehsendung „Darf ich mal reinkommen“ des NDR von 1958 kennen. Um den manchmal skurrilen Humor und die Wortspiele Erhardts im richtigen Rahmen zu präsentieren, gehört allerdings etwas mehr als nur das richtige Outfit. Diktion, Gestik und die charmante Schusseligkeit des großen Humoristen sind weit schwerer zu transportieren als ein Second-Hand-Jackett und die Original Zapf-Brille von 1963. Doch Krämer gelingt die Überraschung des Abends: zwar imitiert er nicht (nur) sondern interpretiert, dies aber

mit soviel Herzblut und Ganzkörpereinsatz, dass man ihm den langjährigen Erhardt-Fan mit Handschlag abnimmt. Natürlich ist es nicht Erhardt persönlich der da steht. Krämer selbst sagt, dass er nicht vorhat den Meister bis auf das I-Tüpfelchen zu kopieren. Trotzdem ist die Ähnlichkeit in Sprache und Gestik manchmal recht frappant. Man merkt, da hat einer sein Vorbild sehr ernsthaft studiert. Krämer spielt auch mit seiner wandelbaren Stimme, gerade wenn er einen fiktiven Talk mit Heinz zum besten gibt in welchem Erhardt zu tagesaktuellen Geschehnissen mit Zitaten aus seinem unermesslichen Reimschatz aufwartet. Doch der quirlige Lampertheimer, der die meisten Verse frei rezitiert, hat noch mehr Schmankerln im Gepäck. Schallendes Gelächter erntet der Handy-Sketch in welchem mitten in einer dramatisch geflüsterten Gewitter-Zeile fröhlich ein Handy unter den Zuschauern ein garstig fiependes Weihnachtslied zirpt. Erhardt/Krämer stürzt zornbebend zu dem peinlich berührten Frevler, entreißt ihm das Handy und führt ein hochnotpeinliches Gespräch mit einer wohl sehr leidenschaftlichen Dame am anderen Ende. („Nein, mein Name ist nicht Hengst, ich heiße Krämer ...“) Krämer hat in jeden seiner drei Akte einen Publikums-Sketch eingebaut, egal ob Gedicht-Workshop oder dreifach donnerndes Korn-Lied, die Stimmung könnte besser nicht sein. Bereits im zweiten Akt, nach dem Hauptgang, lüftet Krämer auch das Geheimnis um das „PLUS“ im Programmnamen.


Er kündigt Fortsetzungen berühmter Erhardt-Gedichte an und verspricht auch gänzlich eigene Reime von ihm selbst „gemadet“. Die Gäste erfahren wie die Madenmutter mit ihren Schicksalsschlägen zurechtkommt, was hinter dem heimtückischen Anschlag auf den armen Fischer wirklich steckt und wie die Gattin eines Ritters ( „... und es klang schrecklich, wenn sie sang“) letztendlich in einer Motto-Show von DSDS landet. Soll man das? Kann man das? Erhardt-Gedichte anno 2009? Yes, Krämer can! Es fällt sogar eingefleischten Erhardt-Kennern schwer Krämersche Lyrik von Erhardt-Original-Texten zu unterscheiden. Doch die aktuellen Bezüge, von Bankenkrise über unsere Kanzlerin („schaut se dämlich in die Gegend ...“) bis zum Angebotsföhn eines bekannten Elektrodiscounters lassen keinen Zweifel daran. Ja, genauso hätte Erhardt wohl selber darüber gedichtet. Der Applaus gerade bei seinen eigenen Werken gibt dem sympathischen Hessen recht, wenn er sagt: Heinz Erhardt und sein Humor sind unsterblich. HeinzPLUS, Krämers neues Heinz-Erhardt-Programm: eine Hommage an diesen großen Künstler. Einziger Wermutstropfen: die Zeit ging viel zu schnell vorüber




 

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