Das neue Heinz-Erhardt-Programm
von Manfred H. Krämer
Texte

 

Die Made, Der Fischer, Der Tauchenichts ...

 

Wer kennt sie nicht, die Klassiker aus dem Repertoire des Wortakrobaten Heinz Erhardt.

Vereinsamt ruft die vom Schicksal gebeutelte Madenmama nach ihrem längst verdauten Kinde. Ein triebgelenkter Fischer ruht, die Lungen voller Wasser, auf dem Grunde des Meeres. Ein panischer Monarch versucht verzweifelt seine Tochter an alle möglichen Mannen und Recken zu verkuppeln. Ein verwitweter Ritter gedenkt seiner unmelodiös brüllenden Gattin.

Schicksals- und andere Schläge, Lebenshiebe und Liebeskinnhaken en Masse.

Doch was kommt danach? Wie geht es weiter nach der Werbung? Lohnt es sich dranzubleiben?

Erleben Sie erschütternde Enthüllungen und erfahren Sie die Wahrheit über Made, Fischer & Co:


Die Made

Hinter eines Baumes Rinde

wohnt die Made mit dem Kinde.

Sie ist Witwe, denn der Gatte,

den sie hatte, fiel vom Blatte.

Diente so auf diese Weise

einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:

Liebes Kind, ich sehe grade,

drüben gibt es frischen Kohl,

den ich hol. So leb denn wohl!

Halt, noch eins! Denk, was geschah,

geh nicht aus, denk an Papa!«

Also sprach sie und entwich. ­

Made junior aber schlich

hinterdrein; und das war schlecht!

Denn schon kam ein bunter Specht

und verschlang die kleine fade

Made ohne Gnade. Schade!

Hinter eines Baumes Rinde

ruft die Made nach dem Kinde. . .

 

 

Die Made 2

Hinter eines Baumes Rinde

Ruft die Made nach dem Kinde

Doch das Kinde war verblichen

In den Himmel schon entwichen.

Der Schmerz der Made währt nicht lange,

denn schon kam ne fiese Schlange

und verschlang die Madenmutter

die endete als Otternfutter

Doch wie alle frommen Maden,

musste sie nicht lange klagen

Im Madenhimmel trifft sie dann

Auf Madenkind und Ehemann

Und wer ihr Glück jetzt nicht erkennt,

der hat das Happy-End verpennt.

 


Der Fischer

(Frei nach Johann Sebastian Goethe)

Das Meer ist angefüllt mit Wasser

und unten ist's besonders tief,

am Strande dieses Meeres saß er,

d. h. er lag, weil er ja schlief.

Und nun nochmal: Am Meere saß er,

d. h. er lag, weil er ja schlief,

und in dem Meer war sehr viel Wasser

und unten war's besonders tief.

Da plötzlich teilten sich die Fluten

und eine Jungfrau kam herfür,

auf einer Flöte tat sie tuten,

das war kein schöner Zug von ihr.

Dem Fischer ging ihr Lied zu Herzen,

obwohl sie falsche Töne pfoff - -

­man sah ihn in das Wasser sterzen,

dann ging er unter und ersoff.

 

 

Der Fischer 2

Die Jungfrau war nicht mal betroffen,

tat weiter auf der Flöte spielen

obwohl er wegen ihr ersoffen,

er war nur einer unter vielen.

Die Jungfrau nahm des Fischers Fische,

um auf dem Markt sie zu verkaufen

Barsche , Schollen, alles Frische;

nur dafür musst der Mann ersaufen.

Und auf dem Grund des Meeres saß er,

das heißt, er lag, weil er war tot,

um ihn herum war sehr viel Wasser,

Die Jungfrau die litt nie mehr Not.

Manch Fischer lässt sich noch bezirzen

Von ihrem falschen Flötentuten

Und tut sich in das Wasser stirzen,

um zu ersaufen in den Fluten.

Und die Moral von der Geschicht:

Kaufe bei ner Jungfrau nicht!

Ballade 1

Es war einmal ein altes Schloß.

Und Kunibert, so hieß der Boss.

Er hatte Mägde, hatte Knechte

und eine Frau - das war das Schlechte !

Ihr Mund war breit, ihr Hals war lang,

und es klang schrecklich, wenn sie sang.

Da zielte er mit Korn und Kimme

und Wut auf sie - das war das Schlimme!

Es machte bumm! – (natürlich lauter!) ­

dann fiel sie um! – Zum Himmel schaut er

und spricht, das Auge voll Gewässer:

„Vielleicht singt sie dort oben besser ? ! „

 

Fortsetzung

Dem war nicht so, denn auch den Herrn

schien ihr Gesang doch sehr zu störn

drum schickte er die Rittersfrau

zum Teufel tief in seinen Bau.

Doch dieser konnte nicht mehr pennen

Vor lauter schrecklichen Gesängen

Drum schickte er die Holde schnell

Geradewegs zu RTL

Hier endlich mochten sie es hören,

ihr unerträglich lautes Röhren.

Und kürten sie zum Superstar,

auch Dieter fand sie wunderbar!

 

 

Der Tauchenichts

(Frei nach Schillers» Taucher« )

» Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt,

zu schlunden in diesen Tauch?

Einen güldenen Becher habe ich mit,

den werf ich jetzt in des Meeres Bauch!

Wer ihn mir bringt, ihr Mannen und Knaben,

der soll meine Tochter zum Weibe haben!«

Der Becher flog.

Der Strudel zog

ihn hinab ins greuliche Tief .

Die Männer schauten,

weil sie sich grauten,

weg. - Und abermals der König rief :

» Wer wagt es, Knippersmann oder Rat t,

zu schlauchen in diesen Tund?

Wer's wagt - das erklär ich an Eides Statt ­

darf küssen meins Töchterleins Mund!

Darf heiraten sie. Darf mein Land verwalten!

Und auch den Becher darf er behalten!«

Da schlichen die Mannen

und Knappen von dannen.

Bald waren sie alle verschwunden - - ­Sie wußten verläßlich:

die Tochter ist gräßlich! ­

Der Becher liegt heute noch unten. . .

Der Tauchenichts 2

Die Tochter des Königs

Die war tief betroffen

Sie denkt ich find eh nix

Und hat sich besoffen

Dann stürzt sich die Maid

Von den Klippen ins Meer

Zum Tode bereit

Denn ihr Leben war leer.

Die Tochter die flog

Der Strudel der zog

Sie hinab ins gräuliche Tief.

Da erschien eine Fee

Und rettet ihr Leben

Und macht sie ganz schee

Nur mit Fischschwanz halt eben.

Trotz Engelsgesicht

und fantastischem Busen

nen Mann fand sie nicht

keiner wollt mit ihr schmusen

So sitzt sie seitdem

Auf Felsen und singt

Sie hat ein Problem: Der Fischschwanz, der stinkt

Spaß gehabt?

Mehr davon auf meinen Veranstaltungen.

Wir sehen uns?

 

 

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